Gründen in der Krise - Junge Unternehmer aus Unterfranken
Handwerkskammer
Der Schritt in die unternehmerische Selbstständigkeit ist in Zeiten der Corona-Pandemie mit vielen Unsicherheiten behaftet. Diese jungen unterfränkische Unternehmer aus verschiedenen Branchen geben Einblicke in die besonderen Umstände der aktullen Situation (v.l.): Zahntechniker-Meisterin Nicole Tripp, Gebäudereinigerin Stana Demirovic sowie Daniel Schmidt und Nick Adelmann von der Campermanufaktur Würzburg.

Gründen in der Krise

Wie Corona junge Unternehmen in Unterfranken trifft - und diese kreativ mit der Situation umgehen

An Wachstum ist für viele in der durch die Corona-Krise gebeutelten Wirtschaft aktuell nicht zu denken. Gerade junge Unternehmer in der Aufbauphase trafen die Einschränkungen und vor allem damit einhergehenden finanziellen Einschnitte hart. Ist doch zu Anfangs die Liquidität entscheidend, um überhaupt starten zu können. Wenn dann Aufträge fehlen oder zugesagte Finanzierungen gestrichen werden, stehen Träume und handfeste Pläne kurz davor zu platzen. Doch unsere Beispiele junger Unternehmen aus Unterfranken, die im ersten Quartal 2020 gegründet wurden, zeigen, dass mit Begeisterung, Leidenschaft und einer gesunden Portion Optimismus vieles möglich ist – auch in der Krise.

Gründung im Lockdown

„Ich bin erst einmal kreidebleich geworden“, schildert Karosserie- und Fahrzeugbauermeister Daniel Schmidt den Moment, als er erfuhr, dass die Hausbank aufgrund der Corona-Krise die zuvor mündlich zugesagte Finanzierung für sein Unternehmen nicht umsetzen würde. Gemeinsam mit seinem Jugendfreund, dem Automobil-Konstrukteur Nick Adelmann, hat er die Campermanufaktur Würzburg GmbH gegründet. Am 27. März – mitten in der Hochphase der Ausgangsbeschränkungen – wurde das Unternehmen eingetragen. „Es war nicht die Frage ob, sondern wie es weitergeht“, beschreiben die Gründer ihre Überlegungen nach der Hiobsbotschaft. Seit August letzten Jahres hatten sie die Gründung geplant, der Job war gekündigt, der Mietvertrag für die neue Werkstatthalle unterschrieben. „Bei der Erstellung des Finanzplans hat uns auch die Unternehmensberatung der Handwerkskammer Anfang des Jahres unterstützt“, so Daniel Schmidt. "Gemeinsam konnten wir die Finanzierung noch optimieren und haben unter anderem den Stundenverrechnungssatz als Grundlage für die Handwerksdienstleistungen definiert", erklärt dazu Unternehmensberater Peter Urbansky, den die jungen Gründer gleich zu Beginn der Überlegungen für die Selbstständigkeit kontaktiert hatten und die kostenfreie Beratung in Anspruch nahmen. 

Alternativen aufdecken

Es war also alles bereit. Kurzerhand stemmten sie die fehlende Finanzierung über Familie und Bekannte, überlegten, wo Einsparungen, z. B. durch Eigenleistung im Werkstattumbau und Alternativen zu Großinvestitionen, möglich sind. „Das hat uns zusammengeschweißt“, erzählen die jungen Unternehmer. Die beiden 30-Jährigen sind – unterstützt von ihren Lebenspartnerinnen – im Bereich Öffentlichkeitsarbeit, insbesondere in den sozialen Netzwerk sehr aktiv und kreativ. Seit der ersten Idee zur Campermanufaktur lässt sich die Geschichte der Camperfreunde dort nachverfolgen. So kommt es, dass die Werkstatt schon jetzt sehr gut ausgelastet ist, auch wenn die Ausstattung noch nicht komplett ist. Die Pläne für die weitere Entwicklung können daher wie im Business-Plan vorgesehen, schon bald in die nächste Phase gehen.

Campermanufaktur Würzburg
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Ihr Beispiel macht Mut: Daniel Schmidt (vorne) und Nick Adelmann konnten dank vielseitiger Unterstützung trotz Corona-Krise ihre Werkstatt, die Campermanufaktur Würzburg, eröffnen.

Förderprogramme nutzen

Zahntechniker-Meisterin Nicole Tripp
Nicole Tripp
Zahntechniker-Meisterin Nicole Tripp zeigt Biss: Die durch fehlende Aufträge nun verfügbare Zeit hat sie genutzt, um den von ihr übernommenen Betrieb optimal an ihre eigenen Arbeitsabläufe anzupassen.

Auf die nächste Phase hofft auch Zahntechniker-Meisterin Nicole Tripp. Zum 2. Januar 2020 hat sie ein Labor in Aschaffenburg übernommen. „Anfang März hatte ich viel zu tun und habe mich gefreut, dass es endlich losgeht“, erzählt die 42-jährige Meisterin. Dann kam Corona. Mit geschlossenen Zahnarztpraxen und Terminabsagen. Ohne Patienten in den Praxen ging auch der Auftragseingang im Labor Richtung null. Soforthilfe? Für junge Unternehmen und Gründer war eine Beantragung zuerst nicht möglich. Der entscheidende Hinweis, dass die Förderrichtlinien letztlich doch geändert wurden, kam durch einen Anruf der Betriebsberatung der Handwerkskammer für Unterfranken. „Das war ein toller Service. Ich bin sehr dankbar für die Unterstützung“, sagt Nicole Tripp. Ebenso wie für den Gründungszuschuss der Agentur für Arbeit: „Ohne diesen wäre es eine Katastrophe“. Ende Mai wurde zudem die Soforthilfe bewilligt. Auch den Digitalbonus für die Anschaffung neuer Gerätetechnik hat die Gründerin beantragt. Wenn es weitere Zuschüsse gibt, will sie diese auf jeden Fall in Anspruch nehmen. "In der Beratung haben wir ganz gezielt auch nach passenden Förderprogrammen gesucht und die Beantragung unterstützt", erklärt Björn Salg, Unternehmensberater der Handwerkskammer für Unterfranken für die Region Bayerischer Untermain.

Die Vision, ein größeres Team aufzubauen, bleibt bei Nicole Tripp weiter bestehen – im Labor sind bis zu fünf voll ausgestattete Arbeitsplätze vorhanden. „Wenn es jetzt noch nicht geht, dann eben später“, so die Meisterin und Betriebswirtin, die gerne auch selbst ausbilden möchte: "Das ist für den Erhalt des Berufstandes und des Betriebs essentiell."

Kontakte knüpfen

Den Plan zuerst alleine und dann mit einem größeren Team durchzustarten hatte auch Stana Demirovic aus Würzburg. Sie machte sich Ende Februar als Gebäudereinigerin selbstständig. Einige Monate zuvor war sie im Rahmen der Gründermesse Mainfranken mit der Existenzgründungsberatung der Handwerkskammer in Kontakt gekommen. „Gerade was rechtliche Themen bei der Existenzgründung betrifft, war die Handwerkskammer als Ansprechpartner für mich sehr hilfreich“, erzählt die 32-jährige Gründerin. "Auch nach der offiziellen Gründung sind wir in Kontakt geblieben und konnten so noch einige offene Fragen klären", erläutert Unternehmensberater Peter Urbansky die Betreuung der Handwerkskammer für Existenzgründer.

Mit Beginn der Corona-Einschränkungen platzten für ihr Unternehmen „clean & fresh caci“ gleich mehrere in Aussicht stehende Verträge. Über persönliche Kontakte, konnte sie zumindest kleine Aufträge generieren. Die Zeit hat sie, unterstützt durch den Gründungszuschuss der Agentur für Arbeit, zudem genutzt, um Flyer zu gestalten und zu verteilen sowie Ideen für eine Webseite zu sammeln. „Ich hoffe, dass so schnell wie möglich Aufträge kommen“, blickt Stana Demirovic mit Optimismus in die Zukunft. Erste Gespräche mit potenziellen zukünftigen Mitarbeitern hat sie auch schon geführt und kann auch auf familiäre Unterstützung setzen.

Gemeinsam stark

Denn gemeinsam und mit Unterstützung findet sich auch in ungewöhnlichen Zeiten ein Weg – das zeigen diese beispielhaften Geschichten. Und eines wird klar: Die jungen Gründer werden ihren Traum vom eigenen Unternehmen trotz der Unwägbarkeiten so schnell nicht aufgeben. Sie packen an. Jetzt erst recht.

Gebäudereinigerin Stana Demirovic
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Desinfektion, Hygiene, Sauberkeit: Mit Einzug des Coronavirus wurde das überall stark proklamiert. Ein Anschub für die Branche der Gebäudereiniger? Mitnichten für Stana Demirovic, die auf künftige Aufträge hofft.