Passgenaue Besetzung von Ausbildungplätzen
Nadine Heß
Johannes Sturdza ist angehender Kfz-Mechatroniker im Schwerpunkt Nutzfahrzeugtechnik. Er profitierte vom Beratungsangebot der "Passgenauen Besetzung": Mit Unterstützung der Handwerkskammer für Unterfranken wurde er in einen Betrieb vermittelt, in dem er seine Ausbildung beenden kann.

Die Gesellenprüfung fest im Blick

Die großen Fahrzeuge hatten es ihm im Praktikum damals gleich angetan. Also begann Johannes Sturdza nach dem Schulabschluss eine Ausbildung als Kfz-Mechatroniker mit dem Schwerpunkt Nutzfahrzeugtechnik. Das ist drei Jahre her. Mittlerweile befindet sich der 18-Jährige auf der Zielgeraden seiner Handwerksausbildung, im Frühjahr 2021 will er die Gesellenprüfung machen. Doch noch vor wenigen Wochen stand genau das auf der Kippe, denn in Johannes Sturdzas Ausbildungsbetrieb hatte der Ausbildungsmeister gekündigt. Das Unternehmen konnte seine  Ausbildung deshalb nicht mehr fortführen. "In diesem Fall hat ganz konkret der Abbruch der Ausbildung gedroht", erläutert Erna Kleinhenz. Sie ist seit Februar 2020 als Beraterin der Passgenauen Besetzung der Handwerkskammer für Unterfranken in der Region Schweinfurt/Main-Rhön im Einsatz. Auf den Fall von Johannes Sturdza wurde sie durch ihre enge Zusammenarbeit mit der Ausbildungsberatung der Handwerkskammer aufmerksam. Als Beraterin der Passgenauen Besetzung unterstützt Erna Kleinhenz Betriebe dabei, Ausbildungsplätze, Praktikumsstellen oder auch Einstiegsqualifizierungen mit geeigneten Bewerbern besetzen zu können. Die Beraterinnen und Berater der passgenauen Besetzung sind somit eine Art erweitertes Personalbüro für Betriebe. Erna Kleinhenz spricht ebenso Schülerinnen und Schüler an und hilft ihnen beim Weg in eine Ausbildung im Handwerk. Auch Auszubildende wie Johannes Sturdza können das Angebot der "Passgenauen Besetzung" nutzen – etwa wenn, wie in seinem Fall, der erfolgreiche Abschluss der Ausbildung in Gefahr ist.

Ansprechpartner:

Beide Seiten profitieren

"Wir haben ein breites regionales Netzwerk. Davon können Unternehmen, Schüler und Auszubildende profitieren", bekräftigt Erna Kleinhenz. Für Johannes Sturdza fand sie in der Schweinfurter Niederlassung der NFZ-Franken einen Betrieb, in dem er seine Ausbildung nun abschließen kann. Der Betrieb wiederum hat nun eine weitere potentielle künftige Fachkraft im Team. Ein Punkt, der für Betriebsleiter Walter Voit besonders wichtig ist, der sagt: "Wir spüren den Fachkräftemangel bei Gesellen seit Jahren und hier kann ich nur gegensteuern, wenn ich selbst ausbilde." Walter Voit und sein Team betreuen aktuell acht Auszubildende. "Im Fall von Johannes war es  wichtig, ihn bestmöglich auf die Gesellenprüfung vorbereiten zu können. Dafür gab es für mich nur eine Lösung, nämlich ihn als Auszubildenden zu übernehmen", erklärt der Kfz-Meister. Zuvor hatte er gemeinsam mit Beraterin Erna Kleinhenz auch andere Lösungen erörtert, etwa Johannes Sturdza wochenweise in den Betrieb zu holen, um ihm wichtige Inhalte für die Prüfungsvorbereitung zu vermitteln.

"Jeder Fall hat individuelle Voraussetzungen, für die wir in Zusammenarbeit mit unserer Ausbildungsberatung die passende Lösung finden möchten. Hier war es schließlich die Entscheidung, den Ausbildungsbetrieb ganz zu wechseln."
Erna Kleinhenz, Beraterin der Passgenauen Besetzung

Eine klare Perspektive

In seinem neuen Ausbildungsbetrieb hat Johannes Sturdza nun die Möglichkeit bis zur Gesellenprüfung noch wichtige Einblicke zu gewinnen. "Es ist bei uns immer sichergestellt, dass der Auszubildende von einem erfahrenen Gesellen angeleitet und begleitet wird. Unser Handwerk ist sehr vielfältig und das sollen die Auszubildenden in all seinen Facetten kennenlernen", sagt Walter Voit. Für Johannes Sturdza ist das definitiv ein Gewinn. "Ich konnte schon viel Neues lernen. Das  fordert mich, macht aber auch sehr viel Spaß", berichtet er. Glücklich und motiviert geht der 18-Jährige nun die nächsten Monate an. Und für die Zeit nach der Gesellenprüfung zeigt Betriebsleiter Walter Voit ihm auch eine klare Perspektive auf: "Wer engagiert ist und Leistung zeigt, den möchten wir natürlich gerne als Gesellen übernehmen", sagt er. Eine Chance, die nun auch Johannes Sturdza hat.

Passgenaue Besetzung von Ausbildungsplätzen
Nadine Heß
Individuelle Unterstützung (v. l.): Erna Kleinhenz, Beraterin der Passgenauen Besetzung bei der Handwerkskammer für Unterfranken, Johannes Sturdza, Auszubildender zum Kfz-Mechtroniker, und Walter Voit, Betriebsleiter der Neiderlassung von NFZ-franken in Schweinfurt.

Programm "Passgenaue Besetzung"    

Das Programm „Passgenaue Besetzung – Unterstützung von kleinen und mittleren Unternehmen bei der passgenauen Besetzung von Ausbildungsplätzen sowie der Integration von ausländischen Fachkräften“ wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und den Europäischen Sozialfonds gefördert.